Jugend Aktiv Plus Fachveranstaltung 2025Bericht – Teilhabechancen und Hindernisse in Übergangsstrukturen für junge Erwachsene in herausfordernden Lebenslagen
Die diesjährige Jugend Aktiv Plus Fachveranstaltung fand am 10. April bei Aurubis in Hamburg statt. Unter dem Titel „Teilhabechancen und Hindernisse in Übergangsstrukturen für junge Erwachsene in herausfordernden Lebenslagen“ sollte den Teilnehmenden ein dynamischer und spannender Austausch geboten werden. Gut 100 Interessierte aus dem Bereich der Jugendhilfe, Arbeitsmarktintegration, Jugendberufsagenturen, Betrieben und Behörden folgten unserer Einladung.
Da wir bei Aurubis in den alltäglichen Arbeitsablauf eintauchen durften, galt natürlich die Devise Safety first! und so starteten wir nach einer kurzen Sicherheitsunterweisung um kurz nach neun Uhr ins Programm.
Vorträge
Michael Jordan, Werksleiter der Aurubis AG in Hamburg präsentierte dem Plenum die vielfältigen Aufgabenbereiche, Verarbeitungswege und die tragende Rolle von Aurubis im Bereich des globalen Kupferrecyclings. Aber auch die Zahlen bzgl. der Auszubildenden ließen die Zuhörer:innen staunend aufhorchen. Aurubis hat aktuell 230 Auszubildende in 16 Ausbildungsberufen inkl. dualen Studenten und Praktikanten AV 10+ (u.a. Chemikant, Business Informatics/Adminstration, Fachinformatiker, Verfahrenstechnologe Metall). Jährlich werden 70–80 neue Auszubildende eingestellt und die Übernahmequote liegt bei 85%. Das neue Ausbildungszentrum „IAZ“ setzt darüber hinaus einen neuen Benchmark im Ausbildungsbereich und stellt die qualitative und hochwertige Grundausbildung sicher, um den Bereichen gut vorbereitete Auszubildende zu stellen.
Im Anschluss fand Arne Dornquast, Leiter des Amts für Arbeit und Integration bei der Sozialbehörde lobende und anerkennende Worte für die im Rahmen von Jugend Aktiv Plus geleistete Arbeit.
Sieglinde Ritz und Annekatrin Kühn, Projektleiterinnen von Jugend Aktiv Plus knüpften an die Worte von Herrn Dornquast an und stiegen mit den zwei Leitfragen der Veranstaltung inhaltlich in die Thematik ein. Die Leitfragen lauteten Mit welchen konkreten Barrieren und Herausforderungen sind benachteiligte junge Menschen während der Übergangsphase in Ausbildung, Arbeit, Qualifizierung konfrontiert? und Wie könnten inklusive und diskriminierungsfreie Übergänge gestaltet werden, um soziale, ökonomische und bildungsbezogene Teilhabechancen von jungen Menschen in schwierigen Lebenslagen zu verbessern?.
Um den inhaltlichen Rahmen wissenschaftlich zu untermauern, war es uns eine große Freude Prof. Dr. Andreas Oehme (Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen, Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit) und Stephan Ullrich (Universität Hildesheim, Institut für Sozial- und Organisationspädagogik) als Referenten gewinnen zu können. Mit ihrem Vortrag Inklusion in der beruflichen Bildung: Bildungsteilhabe in regionalen Übergangsstrukturen gaben sie uns vor allem in den qualitativen Teil ihrer Studie umfassende Einblicke. Anhand ihrer anonymisierten Person Jiana konnten sie eindrucksvoll die auftretenden Schwierigkeiten der (Berufswahl-)Engscheidungen am Übergang von Schule zum Beruf verdeutlichen. So können diese annehmend, ermöglichend, ablehnend, behindernd oder exklusiv sein und somit die Weichen für das Gelingen oder Scheitern des Übergangs legen. Wichtig ist, dass die Möglichkeiten, auf Alternativen und Entscheidungen Einfluss zu nehmen, von Kontext zu Kontext ungleich zwischen jungen Menschen, Fachkräften und ggfs. Familienangehörigen bzw. Bezugspersonen verteilt sind und somit zu unterschiedlichen Teilhabechancen und Entwicklungen führen. Abschließend konnten die Referenten resümieren, dass folgenden drei Kernforderungen zur Gestaltung inklusiver Arbeits- und Öffnungsprozesse entscheidend sein können. Dazu gehören das bedingungslose Ansetzen an den Interessen der jungen Menschen sowie die Möglichkeit Experimentierräume für alle zu schaffen und die Lebenslagen junger Menschen diversitätssensibel zu berücksichtigen.
Nach diesem spannenden inhaltlichen Einstieg teilte sich die große Gruppe auf und der aktive Part der Veranstaltung konnte beginnen. Es folgten beeindruckende Touren durch die Aurubis-Ausbildungsstätten und das gesamte Aurubis Werk sowie großartige Inputs von Lena Katharina Rohde und Dara Elisabeth Fogarasi zur Aurubis Initiative Women4Metals. Dabei wurde sichtbar, wie sich Aurubis für mehr Frauen in einem sehr männerdominierten Berufsfeld stark macht. In Kleingruppen wurde sich intensiv über die Leitfragen sowie zum persönlichen Erleben der Thematik in Hamburg ausgetauscht und in kreativer Weise verschriftlicht.
Abschließen konnten wir diese informative und rundum gelungene Veranstaltung mit einer Diskussionsrunde. Verschiedene Vertreter:innen aus Behörden, Projekten, Wissenschaft und Aurubis diskutierten lebendig die spannende Thematik, die aktuell viele Akteure der Jugendarbeit und ihre Klienten aber auch die Institutionen beschäftigt.
Sieglinde Ritz hob zum Abschluss noch einmal die Relevanz der Trägerarbeit im Rahmen von Jugend Aktiv Plus sowie den reflektierten und offenen Umgang der Behörden und Institutionen mit dieser einflussreichen Thematik hervor und läutet den Ausklang mit Essen, Getränken und weiteren angeregten Gesprächen ein.