Fachveranstaltung des Projektes JUGEND AKTIV PLUS

IT WORKS!Wie wir junge Erwachsene aktivieren, ihr Leben in die Hand zu nehmen.

am 29. Oktober 2014;  9.30 – 16.30 Uhr

Veranstaltungsort: JUKZ am Stintfang, Alfred-Wegener-Weg 3, 20459 Hamburg

Veranstaltungsflyer

Junge Menschen können auf vielfältige Weise bei ihrer beruflichen Integration aktiviert und unterstützt werden. Zumeist  gelingt die Integration nur gemeinsam mit einer sozialen Stabilisierung, die auch mit Umwegen und  Abbrüchen einhergehen kann. Der Beitrag der Jugendhilfe mit ihren vielfältigen Ansätzen ist in diesem Prozess unerlässlich. Methodisch kommen dabei das Casemanagement, der Empowermentansatz und insbesondere Arbeit in realen Kontexten zum Tragen. Das sind einige der  Ergebnisse der ganztägigen Fachveranstaltung „IT WORKS!“. Die Tagung fand im Jugend- und Kulturzentrum am Stintfang (JUKZ) statt, und erreichte mit 160 Teilnehmenden eine große Resonanz bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Jugendhilfe, der Jugendämter, der Jugendberufsagenturen und der Fachbehörden.

Staatsrat Pörksen betonte in seinem Eingangsstatement, dass Hamburg mit dem Leitziel „Niemand soll verloren gehen“ ein großes Stück vorangekommen sei. Dazu gehört insbesondere die Gründung der Jugendberufsagentur (JBA), die Hilfen aus einer Hand in jedem Bezirk ermöglicht. Bis zur Gründung der JBA seien pro Jahrgang rund 1.000 Jugendliche beim Übergang von der Schule in den Beruf verloren gegangen. Dem begegnet Hamburg nun unter anderem mit der Einführung der Berufsorientierung ab der 8. Klasse und zusätzlichen Angeboten wie dem ESF- Projekt Jugend Aktiv Plus.

Staatsrat Jan Pörksen     Projektleitung Jugend Aktiv Plus, Hansjörg Diers, BASFI; Sieglinde Ritz, Lawaetz-Stiftung

Staatsrat Jan Pörksen                                                  Projektleitung Jugend Aktiv Plus:
                                                                           Hansjörg Diers, BASFI; Sieglinde Ritz, Lawaetz-Stiftung

In den nächsten Jahren werde aufgrund des demographischen Wandels ein erheblicher Fachkräftemangel entstehen, wenn nicht möglichst viele junge Menschen in Ausbildung gehen. Daher sei es notwendig, das nach wie vor eingeschränkte Berufswahlverhalten zu erweitern. Darüber hinaus müssten junge Menschen eine breite Unterstützung beim Übergang in Ausbildung beispielsweise durch die Jugendhilfe erfahren. Gleichwohl müssten jedoch auch Betriebe umdenken und lernschwächeren jungen Menschen eine Ausbildung ermöglichen. Praktika seien hierbei gut geeignet, um Ressourcen und Kompetenzen junger Menschen erkennen zu lassen.   

Frau Prof. Dr. Enggruber von der Fachhochschule Düsseldorf referierte über die theoretischen Ansätze des Empowerment-Konzeptes sowie den bildungspolitischen Inklusionsansatz der UNESCO. Der Empowerment-Ansatz betont insbesondere die Stärkung von Eigenmacht und einer Abkehr von paternalistischen Fürsorgekonzepten sowie die Abgrenzung von Normalitätsvorstellungen und Defizitzuschreibungen der Zielgruppen. Der Ansatz geht grundsätzlich von der Handlungsfähigkeit der Menschen auch in marginalisierten, leidvollen und belasteten Lebenslagen aus. Vor diesem Hintergrund untersuchte Frau Prof. Dr. Enggruber das Konzept des Projektes Jugend Aktiv Plus. Sie wies  hin auf die Widersprüchlichkeit der zwar der Förderlogik geschuldeten Defizitbeschreibung der Zielgruppe einerseits und der formulierten Ressourcenorientierung der konkreten Arbeit mit den Teilnehmern andererseits.

Der Inklusionsbegriff der UNESCO betrachte, so Frau Prof. Dr. Enggruber, Behinderung als soziale Kategorie. Damit werde ein grundlegender Perspektivwechsel vollzogen, d.h. Lernschwierigkeiten resultieren aus dem Bildungssystem und sind nicht den einzelnen Menschen und ihren Fähigkeiten zuzuschreiben. Im Projekt sollten daher eine ressourcenorientierte Zusammenarbeit und eine gemeinsame Reflexion von Ausgrenzungs- und Abwertungsmechanismen erfolgen.

Prof. Dr. Ruth Enggruber Kai Wiese, jugend hilft jugend mit Burkhard Plemper

Prof. Dr. Ruth Enggruber, FH Düsseldorf                   Burkhard Plemper, Moderation mit Kai Wiese,
                                                                            Jugend hilft Jugend

Präsentation[nbsp] und   Vortrag Prof. Dr. Ruth Enggruber

In der anschließenden moderierten Projektvorstellung von Jugend Aktiv Plus betonten die drei Trägervertreter von Nordlicht e.V. , BI Elbinseln e.V. und dem Internationalen Bund Hamburg e.V., dass im Projekt jeder willkommen sei und eine ressourcenorientierte Arbeit im Rahmen des Casemanagements bereits erfolgt. Auch nach Abbrüchen sei eine Wiederaufnahme des Beratungs- und Unterstützungsprozesses jederzeit möglich. Die vorgestellten Ansätze von Empowerment und Inklusion werden im Projekt weitgehend umgesetzt. In der Realität können jedoch nicht alle Anforderungen der theoretischen Ansätze erfüllt werden.

Jugend Aktiv Plus  Petra Schmidt, Bi Elbinseln, Thomas Pieper, Nordlicht e.V.;    Jugend Aktiv Plus  Petra Schmidt, Bi Elbinseln, Thomas Pieper, Nordlicht e.V.; Nils Flagge, Internationaler Bund HH e.V

Jugend Aktiv Plus Träger: Petra Schmidt, Bi Elbinseln, Thomas Pieper, Nordlicht e.V.; Nils Flagge, Internationaler Bund Hamburg e.V

Nach der Mittagspause aktivierte ein Projektmitarbeiter des ESF-Projektes „SportJobs“ das Publikum mit kleinen sportlichen Übungen. „SportJobs“ entwickelt soziale Projekte und Bildungskonzepte für Jugendliche und junge Erwachsene, damit sie auf dem Arbeitsmarkt beispielsweise Jobs im Bereich des Sports und Veranstaltungsmanagements  übernehmen können. (www.sportjobs-hamburg.de)

Mittagessen / Catering JobKontor   SportJobs bei der Aktivierung des Publikums

Mittagspause: Catering JobKontor                                 SportJobs bei der Aktivierung des Publikums

Prof. Dr. Gericke erläuterte in seinem Fachvortrag die Möglichkeiten der Jugendberufshilfe beim Übergang in Ausbildung und Beschäftigung. Die Jugendhilfe sei mit Blick auf die demographische Entwicklung insbesondere dafür geeignet, sowohl Betriebe als auch lernschwächere Jugendliche vor und während der Ausbildung zu begleiten und zu unterstützen. Die Jugendsozialarbeit könne dabei ihr Profil als „Headhunter für Benachteiligte“ und als Lernbegleiter schärfen. Den Lernortbetrieb gelte es insbesondere für die schwächeren Jugendlichen wieder stärker in den Blick zu nehmen.  

 

Prof. Dr. Thomas Gericke    Publikumsdiskussion

Prof. Dr. Thomas Gericke, Uni Magdeburg                     Publikumsdiskussion

Präsentation Prof. Dr. Gericke

In der abschließenden Fishbowl-Diskussion mit Vertretern der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration, der Behörde für Schule und Bildung, des Bezirksamtes Hamburg-Mitte, der Jugendberufsagentur Altona sowie Trägervertretern von Jugend Aktiv Plus betonten insbesondere die Trägervertreter die Bedeutung von Arbeit als ein wichtiges Element der sozialen Stabilisierung.

Teilnehmer im Jobprojekt von JobKontor    Publikum

Teilnehmer im Jobprojekt bei JobKontor                         Publikum

Vor allem in Projekten mit realen Aufträgen und Bezügen erfahren die Teilnehmer/innen den Wert ihrer Arbeit und erlernen Schlüsselkompetenzen wie Teamfähigkeit, Pünktlichkeit und Verantwortung. Methodisch arbeiten daher sowohl die Produktionsschulen in Hamburg (mit unter 18-Jährigen) als auch das Projekt Jugend Aktiv Plus (mit über 18-Jährigen) im Rahmen von Praktika in Betrieben oder Jobs in Eigenbetrieben. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag, um junge Menschen zu aktivieren, ihr Leben in die Hand zu nehmen.

Burkhard Plemper mit den Teilnehmern der Fishbowldiskussion      Teilnehmer/-innen Fishbowldiskussion

Fishbowldiskussion mit Hansjörg Diers BASFI; Margit Heitmann, BASFI; Petra Lill, Bezirk Hamburg Mitte; Roger Hasenbein, Jugendberufsagentur Altona;Thomas Humbert, JobKontor; Kai Wiese, jugend hilft jugend; Dr. Cortina Gentner, BSB; Carla Rinkleff, BSB;

Fotos: BO LAHOLA PHOTOGRAPHY & DESIGN GbR
http://www.bofoto.de


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